Herzlichen Glückwunsch! Wie man auf der Seite der Zeitschrift Emma lesen kann, hat die Piratenpartei den Negativpreis “Pascha des Monats” bekommen. Au mann äääh frau. Unabhängig von dem sonstigen amateurjournalistischen Gewäsch, das da im Artikel steht, wird einem wiedermal die fatale Fehlschaltung im Gedankengut der selbsternannten Feministinnenkavallerie bewusst:
Das bestimmte Gruppierungen, Jobs, whatever hohe Männeranteile haben liegt nicht daran, das Frauen nicht die Möglichkeit haben, etwas zu tun, sondern das die meisten schlicht keine Lust oder Interesse haben. Die Piratenpartei ist aus Jung-Nerds hervorgegangen. Internet- und Technikfreaks. Da gibts auch Frauen, allerdings nur wenige, weil viele einfach mit dem Thema nicht viel am Hut haben. Sicher gibts im Bereich der Gleichberechtigung allgemein hierzulande noch viel zu tun, gleiche Löhne zum Beispiel, aber die Wahlfreiheit bei Jobs, Parteien, etc. ist schon sehr gleichberechtigt, mitunter sogar schon Männerfeindlich. Aber wenn eine Gruppierung aufgrund ihrer Zielsetzung scheinbar überwiegend nur ein Geschlecht anzieht, ist das einen Negativpreis wert? Gibts auch einen Negativpreis für die Frauenpartei, die auch vermutlich ein erschreckendes Ungleichgewicht in ihrer Geschlechterverteilung hat?
Dadurch, dass die Piraten eine Internetpartei sind, bieten sie in der Gleichberechtigung mehr Vorteile, als alle anderen Parteien. Die Benutzer stecken hinter Pseudonymen, arbeiten über Foren und Mailinglisten, etc.. Niemand interessiert sich dort für Herkunft, Geschlecht oder Aussehen. Jeder darf mitmachen. Aber nicht jeder will mitmachen. Und da kann die Partei nun selber nichts dafür.
Aber alleine die Prozentzahlen zu betrachten und nichts zu hinterfragen, damit macht mans sich natürlich schön einfach, wenn man mal wieder feministisch auf die pösen pösen Männer einhauen will. Ich empfehle als Nominierung für den “Pascha des Monats Januar” alle Männerumkleidekabinen. Unglaubliche 100% aller zugelassenen Gäste darin sind Männer, das könnt ihr euch doch nicht bieten lassen!
27. Oktober 2009 um 19:00 Uhr
Frechheit :D
27. Oktober 2009 um 21:27 Uhr
Bei der PP gibt’s tatsächlich sogar einige vereinzelte “Kämpferinnen”, die offenbar ernsthaft meinen, Gleichberechtigung bei der PP erst noch durchsetzen zu müssen. Man möcht’s kaum glauben, aber wahr.
Allerdings haben diese wenigen bisher noch nicht so recht realisiert, welch isolierte Position sie innerhalb der weiblichen Piratenschaft einnehmen.
27. Oktober 2009 um 22:09 Uhr
Tja, es gibt sogar junge “feministische” Bloggerinnen, deren Hauptgrund, nicht bei den Piraten mitzuarbeiten, war, dass diese sich nicht “PiratInnen” nennen und sie sich mit der männlichen Form nicht angesprochen und sogar bewußt ausgegrenzt fühlten.
28. Oktober 2009 um 03:26 Uhr
Hehe.
Nunja, hab im Newsletter heute dazu was geschrieben: http://digg.com/u3FDYd
28. Oktober 2009 um 04:50 Uhr
Vielen Dank, schön geschriebener Newsletter liebe PiratIN :-)
28. Oktober 2009 um 04:52 Uhr
Muss ich eigentlich jetzt ein schlechtes Gewissen haben, das mein Blogname nur die männliche Form der Berufsbezeichnung enthält? Ich höre schon das Rollen der Emma-Geschütze, verzeihung, GeschützInnen, die in meine Richtung ausgerichtet werden ;)
28. Oktober 2009 um 10:43 Uhr
@Mela:
Super Beitrag, besonders die letzten Absätze!
Die Zeiten, in denen die EMMA rebellisch und subversiv war, sind wirklich schon lange vorbei.
Inzwischen machte Alice Schwarzer Werbung für die BILD (und bildet sich immer noch ein, dass es eigentlich andersrum war) und kuschelt mit der CDU/CSU.
Wie sich die Zeiten ändern..
28. Oktober 2009 um 17:46 Uhr
@Andi & @Blacki Danke für das Lob!
@Andi Als wäre Mediengestalter nicht schon lang genug. Aber du kannst es ja auch in mediengestalterundmediengestalterinnen.cc umbennen *duck*
28. Oktober 2009 um 17:55 Uhr
Nur ne Anmerkung: “gleiche Löhne” als Beispiel, wo für die Gleichberechtigung noch viel zu tun wäre, ist “etwas” daneben. Steht sogar explizit in der EU-Studie drin, daß es nicht daran läge, daß unterschiedliche Löhne gezahlt werden, sondern eben an unterschiedlichen Arbeitszeiten (Frauen machen mehr Teilzeit und weniger Überstunden), Berufswahl, Firmenzugehörigkeit etc.
28. Oktober 2009 um 18:12 Uhr
Oh mein Gott! Spätestens jetzt weiß ich, dass ich meine Überlegung Pirat zu werden, unbedingt in die Tat umsetzen sollte. Welche bessere Auszeichnung gibt es denn bitte, als von Frau Schwarz, der Frau, die 1990 alle Hochschulmitglieder (Student oder Prof, natürlich mit der Einschränkung, dass es sich um Männer handelt) als “Pornosüchtige Frauenfeinde” titulierte, “Paschatums” bezeichnet zu werden!
Desweiteren wäre da noch folgender Beitrag als sehr interressant zu betrachten:
http://www.emma.de/712.html
Nun ja, ich habe mir gerade mal einige Artikel der emma zum Thema Frauen im Internet durchgelesen und muss sagen, dass es sich bei allen, durch die Bank, um absolut uninformierten, feministischen Blödsinn handelt!
MFG
28. Oktober 2009 um 18:50 Uhr
@d3s4nN kompetente und beruflich erfolgreiche Frauen in technischen Berufen, sind irgendwie auch seltener Emma-Leser oder Emma-Verfechter. Und laut Emma gibt es diese Frauen ja auch gar nicht ;-)
28. Oktober 2009 um 19:43 Uhr
@Robert W.:
Das stimmt nicht ganz. Studien zeigen, dass (übrigens fast nur in Deutschland so schlimm) Frauen bei gleicher Arbeit weniger Lohn bekommen. Also nichts von wegen Schwangerschaft oder Teilzeit, die Studien beziehen auf exakt die gleiche Arbeitsleistung.
@Mela
Wenn dann muss auch die korrekte amtsdeutsche Berufsbezeichnung mit rein. Also http://www.mediengestalter-und-mediengestalterinnen-fuer-digital-und-printmedien.cc ;)
29. Oktober 2009 um 16:13 Uhr
Eben einen Artikel aus den Kommentaren angeklickt, die Emma macht sich in meinen Augen schon alleine durch die Verwendung des Neologismus “frau” (als Ersatz für “man”) vollkommen unglaubwürdig. Wenn man schon für Frauenrechte kämpft, dann sollte man auch die Kraft haben, Sprache zu akzeptieren, wie sie richtig ist. Denn im Gegensatz zu “frau” schreibt sich “man” anders als “Mann” (auch wenn man Groß- / Kleinschreibung unbeachtet lässt) und ist sprachlich korrekt…
Ich kann diese Verhunzung der Sprache einfach nicht mehr ab, weil man diesen Mist auch noch annimmt, wenn man ihn immer von irgendwelchen niveaulosen Schmierblättern und Sendungen vorgesetzt kriegt. Nur leider kann man denen teilweise schwer ausweichen, wenn sie direkt vor eine guten Serie kommen oder eben im Internet als Link stehen.
Allerdings erinnert mich die Emma vom Niveau her auch sonst an die Bildzeitung, die Behauptungen kann ich innerhalb von 1-5 Sekunden durch geeignete Vergleiche aus dem nicht-virtuellen Bereich ausgleichen. Schade, dass solche Sachen trotzdem gelesen werden…
29. Oktober 2009 um 16:14 Uhr
@Andi: Wenigstens kriegt man bei so Langbezeichnungen dann keine Probleme mit vergebenen Domains :D
30. Oktober 2009 um 22:33 Uhr
Hier wird von einigen die weitverbreitete Meinung verteten, das Frauen weniger als Männer verdienen würden.
Dazu schreibt das Bundesstatistikamt:
“Aus dem geschlechterspezifischen Verdienstabstand kann nicht geschlossen werden, dass Frauen im gleichen Unternehmen für die gleiche Tätigkeit anders bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen. Die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern lassen sich vielmehr durch Unterschiede in der männlichen und weiblichen Arbeitnehmerstruktur erklären. Diese sind beispielsweise gekennzeichnet durch Unterschiede im Anforderungsniveau, der Verteilung auf besser und schlechter bezahlte Wirtschaftszweige, der Größe der Unternehmen, der Zahl der Berufsjahre, der Dauer der Betriebszugehörigkeit und des Ausbildungsniveaus.” – Destatis, 13. Juli 2006[1]
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2006/07/PD06__285__623.psml
“Der Bruttostundenverdienst von Frauen lag nach den Ergebnissen der Verdienststrukturerhebung 2006 um 23% unter dem der Männer. Dies bedeutet nicht, dass Frauen im gleichen Unternehmen für die gleiche Tätigkeit 23% weniger verdienten. Die Ursachen für den Verdienstabstand sind vielfältig. Frauen und Männer unterscheiden sich in der Wahl ihrer Berufe, Branchen und in der Erwerbsbiografie. Diese Unterschiede sind in der Differenz von 23% enthalten. Dieser Verdienstunterschied wird daher auch unbereinigter Verdienstabstand oder englisch “unadjusted Gender Pay Gap” genannt.” – Destatis, 26. August 2008[4]
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/STATmagazin/VerdiensteArbeitskosten/2008__8/2008__8Verdienste,templateId=renderPrint.psml
Kein Unternehmer würde sich die Lohnkostenersparnis von ca.23% entgehen lassen,
würde es stimmen das Frauen für die gleiche Tätigkeit weniger verdienen.
2. November 2009 um 07:06 Uhr
@Kara: Es stimmt allerdings dass es eine Gender Pay Gap gibt. Die ist nachweisbar. Das Problem bei “gleichbezahlten Stellen” ist, dass man hier nicht so einfach nachweisen kann, dass es eine Ungerechtigkeit (bewusst oder unbewusst) gibt.
Aus dem Grund wird gemeinhin die Gender Gap (die schon seit Jahren bei unter 30% liegt) angegangen. Und das ist ja prinzipiell nichts schlechtes.
8. Dezember 2009 um 17:55 Uhr
Update:
Die EMMA “antwortet” auf Melas Newslettereintrag:
http://www.emma.de/piratenpartei_2009_12_1.html
Meine Meinung dazu: ziemlich am Thema vorbei und immer noch nix kapiert. Es wird wieder auf dem “rechtfreien Raum” und der “Spielwiese für Pornographen” rumgeritten.
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