QR-Codes in freier Wildbahn: Kalaydo

Nach Herrn von Akens grundsätzlicher Ablehnung von QR-Codes und meines darauf Bezug nehmenden Blogposts habe ich mir vorgenommen, QR-Codes in freier Wildbahn näher zu betrachten. Ich werde dabei immer wieder Negativ- und Positivbeispiele zeigen, wie z.B. das Negativbeispiel ADAC im ersten Beitrag.

Nochmal: QR-Codes werden vielleicht als reine URL-Maskierung von Designern mit Spieltrieb verwendet, aber die wahre Anwendung ist die Schaffung eines Mehrwert über die Printwelt hinaus – und zwar optimiert auf Mobilgeräte. Der QR-Code sollte aussagen: „Hier findet sich ergänzender mobiler Content“. Eine einfache URL sagt das nicht aus.

QR-Code am Beispiel Kalaydo

In der örtlichen Samstagszeitung waren Jobangebote des Kleinanzeigenportals Kalaydo. Kalaydo ist ein gemeinsames Online-Anzeigenportal regionaler Tageszeitungen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Sachsen-Anhalt. Laut Wikipedia hatten sie im März 2011 etwa 60 Millionen Seitenaufrufe.

Unter den Jobangeboten war ein QR-Code, dort heißt es: „Für Details der Stellenangebote (…) nutzen Sie den Nebenstehenden QR-Code“. Das habe ich gemacht.

Was man erwarten sollte: Mobiler Content mit (wie im Text angedeutet) weiteren Details zu genau diesen Stellen oberhalb der QR-Codes.

Was mich erwartete: Ein einfacher Link zu einer nicht-mobilen Webseite, dahinter einige ausgesuchte Jobangebote aus NRW und RLP, die nicht mal den Stellen in der Zeitung entsprachen. Setzen – Sechs. Diesen QR-Code hätte man sich sparen können.

QR-Falle bit.ly

Beim Erstellen hat man darüberhinaus einen taktischen Fehler gemacht: Grundsätzlich ist es empfehlenswert, einen URL-Verkürzer zu verwenden. So wird die zu codierende Menge kleiner und der QR-Code wird weniger komplex und groß.

Man sollte aber auf keinen Fall bit.ly verwenden, wenn man nicht möchte, dass die ganze Welt den Erfolg des Codes messen kann. Denn – und das wussten vermutlich die Ersteller nicht – alle bit.ly-Link-Statistiken sind öffentlich abrufbar. It’s not a bug, it’s a feature – bit.ly will das so. Man muss einfach nur ein „+“ hinter einen bit.ly-Link setzen und sieht die volle Statistik.

Im Falle des Kalaydo QR-Codes haben seit letzten Samstag (es war die dicke Samstagsausgabe) nur eine handvoll Leute den QR-Code abgerufen.  Sehr viel weniger, als ich erwartet hatte, denn die Zeitung ist (soweit ich weiß) die einzige Lokalzeitung in einer Städteregion mit ca. 500.000 Einwohnern. Wenn man die Nachbarkreise noch dazunimmt, wo fast identische Zeitungen vom selben Verlag auf dem Markt sind und wenn man sich vorstellt, dass der QR-Code evtl. auch noch bei anderen Zeitungsverlagen im o.g. Einzugsgebiet von Kalaydo verwendet wird, eine erschreckend geringe Zahl.

Warum es bei dieser Verbreitung so wenige ausprobiert haben, darüber kann man spekulieren. An dem schlechten Content dahinter liegt es nicht, denn den sieht man erst, nachdem der Click gezählt wurde. Vielleicht sind die Schnittmengen zwischen Zeitungsleser und Smartphone-Nutzer sehr gering, vielleicht hat es was mit der Altersstruktur der Leser zu tun, vielleicht hätte besseres, auffälligeres Design und Wording die Leute neugieriger gemacht. Vielleicht ist es einfach nur von allem etwas.

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