Gedanken

Heute sind zehntausende Menschen in Deutschland gegen ACTA auf die Straße gegangen, die größte Demo in München hatte 16.000 Teilnehmer. Auch in meiner Heimat Aachen sind 1500-2000 Menschen auf die Straße gegangen. Sie haben sich von den -12°C nicht abschrecken lassen und haben sich vor dem Theater versammelt, sind über die Alexianergraben, Richtung Markt und dann zur Abschlusskundgebung am SuperC gegangen, um gegen undurchsichtige Hinterzimmerpolitik von Lobbygruppen zu protestieren.

Über ACTA und die Demos muss ich nicht viel sagen, es gibt genug Menschen/Medien/Blogs, die über ACTA aufklären und die Demos findet ihr derzeit auf allen Newsportalen.

Was mich aber richtig ärgert, ist dass die Lokalmedien kein bisschen darüber berichten. Hier könnten sie ihre Stärken ausspielen und lokal ganz nah und aktuell berichten, vielleicht sogar Live-twittern. Tun sie aber nicht. Sie veröffentlichen eine kleine DPA-Meldung, nur um das Wort “Aachen” an manchen Stellen ergänzt (googelt  mal den ersten Satz im verlinkten Beitrag). Fußball und Karnevalsprinzen sind scheinbar wichtiger, als 2000 Menschen auf dem Marktplatz.

Blogs sind die wahren Lokalmedien

Also liegt es wieder an uns Bloggern und Twitterern, über Lokales zu berichten, wenn’s sonst keiner tut. Auf flickr habe ich ein paar Eindrücke gepostet. Würde mich freuen, wenn ihr die Links zu euren Fotos und Blogeinträgen in die Kommentare postet, ich werde den Beitrag dann um alle Links erweitern!

Wie schon angedacht, könnt ihr jetzt Fan dieser Seite auf Facebook werden. Für alle, denen RSS zu Oldschool ist :-)

Die Stadt Aachen ist stolz auf seine Elite-Universität, die RWTH Aachen. Aachen ist und bleibt eine Studentenstadt, das Stadtbild wird geprägt von Unibauten und jungen Leuten. Und bald steht die Stadt vor großen Herausforderungen, durch doppelte  Abiturjahrgänge und Wegfall von Zivil- und Wehrdienst steht eine Horde Neustudierende vor der Tür, die Aachen in der Größenordnung bisher nicht gekannt hat.

Die Stadt Aachen hat daher auf Steuerzahlerkosten vor zwei Monaten die Initiative “Extraraum” gestartet. Das Ziel: Mehr Wohnraum für Studenten. Dazu gibt es eine schicke Webseite und 70.000 Hausbesitzer haben zusammen mit ihrem Grundabgabenbescheid, quasi als kleine Botschaft wo das Geld für sowas herkommen soll, Infomaterial erhalten, mit der Aussage: “Wir brauchen Wohnungen für unsere Studenten. Gebt her, was ihr könnt”.

Ich frage mich als Mitglied der Mehrheit in Aachen – dazu zähle ich ganz normale Arbeiter, Angestellte, Azubis, Arbeitslose, Alleinerziehende – also die ganze Nicht-Elite – warum ist diese Aktion nur auf Studenten begrenzt? Geht das Hofieren der RWTH-(Angehörigen) da nicht ein wenig zu weit? Der Wohnraum ist für alle knapp, die Mieten sind hoch und steigen immer weiter und manch einer von der Nicht-Elite kann Sie sich noch weniger leisten, als die Studenten.

Wäre es da nicht sinnvoller, gleichberechtigt für alle nach Wohnraum zu suchen? Oder noch besser: Anstatt darauf zu warten, dass Camp Hitfeld oder das Grundstück der vermeintlichen Kaiserplatzgalerie neu bebaut wird oder dass nach Jahren sich vielleicht doch mal ein Betrieb auf dem unnützen Gewerbegebiet Avantis ansiedelt, könnte man dort vielleicht noch viel mehr Wohnraum schaffen? Wären die Millionen, die man in Prestigeprojekte und defizitäre Einrichtungen und Vereine steckt, nicht als Wohnraum sinnvoller? Und wie sähe es heute wohl aus, wenn man den allgemeinen Trend, kommunales Wohneigentum an preistreibende Heuschrecken zu verkaufen, rechtzeitig gestoppt hätte?

Eine andere Idee: Anstatt einer prestigeträchtigen Campusbahn benutzen wir das Geld lieber, um die Straßenbahnschienen auszugraben und die Erreichbarkeit und Bezahlbarkeit des Aachener Speckgürtels, sprich Herzogenrath, Eschweiler, Baesweiler, Alsdorf etc., zu verbessern, so dass es kein Problem für alle darstellt, schnell die Uni oder den Arbeitsplatz zu erreichen, auch wenn man nicht im Zentrum wohnt. Im Moment ist der ÖPNV so unattraktiv, dass trotz der Platznot in der Innenstadt, die P+R Flächen ignoriert werden.

Ich habe vor Kurzem zum ersten Mal in Aachen Aushänge gesehen, wo Wohnungssuchende Belohnungen ausloben, für jemanden, der ihnen eine Wohnung verschafft. Das kannte ich bisher nur aus sehr wenigen Großstädten. Lasst es bitte nicht soweit kommen. Übrigens: Das der Studentenansturm so groß werden wird, ist nicht erst seit gestern bekannt.

(Foto: dierk schaefer / flickr.com. Lizenz: CC-BY 2.0)
(Hinweis: Ein möglicherweise zu erahnender leicht spöttischer Unterton zum “Elite”-Begriff ist voll beabsichtigt)
(Update 20:27 Uhr – Kleine Ergänzungen)

Ironie ist: Einen preisgekrönten Dokumentarfilm wie “Plastic Planet“, der über die Verseuchung der Erde mit unserem Plastikmüll berichtet, in einer “plastikfreien Öko-Verpackung” zu verkaufen. In Folie eingeschweißt, versteht sich.

Zu Müllers Ehrenrettung sollte ich erwähnen: Dort habe ich es gefunden, aber weitere Recherche ergibt, dass “Plastic Planet” höchstwahrscheinlich im Auslieferungszustand bereits eine Plastikverpackung enthält, wie man den Amazon-Rezensionen entnehmen kann. Und wie sehr eine “limitierte” Öko-Verpackung und eine DVD, welche bekanntlich aus dem Kunststoff Polycarbonat besteht, umweltfreundlich sind, steht noch auf einem ganz anderen Blatt.

Seit ca. 2 Monaten schwappt eine geheimnisvolle Werbeaktion über die Städte hinweg. Im Dezember 2011 hingen auf vielen Plakatwänden Motive, auf denen schwarz auf weiß ausschließlich “MAYBE” stand.

Der Gesetzgebung sei Dank konnten wir im Fuße des Plakats bereits durch die verpflichtenden Warnhinweise erkennen, dass es sich ganz offensichtlich um Zigarettenwerbung handelte.

Später offenbahrte sich der Hintergrund der Aktion: Es folgten weitere Plakate mit dem Satz “Don’t be a Maybe – be Marlboro!” und der Werbung für Marlboro Zigaretten in Form einer Zigarettenpackung.

Das ist in mehrfacher Hinsicht ein ziemlicher Griff ins Klo. Einerseits vermittelt der Satz eine unverblümte Aufforderung zum Rauchen. Andererseits wirkt er zusammen mit dem “Rauchen ist tödlich”-Warnhinweis unfreiwillig komisch. Marlboro verabschiedet sich vom Konjunktiv. Natürlich tödlich.

Gestützt wird die Aktion übrigens noch von Kinowerbung, mit den typischen Rauchen-macht-dich-frei-Superheld-in-weiter-Prärie-Bilderfolge und dem Hinweis: “Don’t be a maybe” – Maybes  – also “Vielleichts” – erobern einfach nicht die Welt. Der 1992 im Alter von 52 Jahren an Lungenkrebs gestorbene Marlboro-Mann wäre stolz auf euch! Somit wurde alles an Werbemitteln ausgeschöpft, was leider noch immer nicht verboten ist.

Die Werbemacher haben sich durch das geheimnisvolle Plakat wohl einen viralen Werbeeffekt erhofft. Und das hätte auch funktioniert, wenn man mal ein wenig googelt, findet man viele Fragen nach diesem ominösen Plakat. Mit einem anderen Werbeobjekt, einem Auto z.B., wäre die Kampagne vermutlich ein voller Erfolg.

Alternativvorschlag

Mir als Grafiker ist schon beim ersten Betrachten ein Alternativvorschlag eingefallen, auch mit einem tollen Wortspiel. Was meint ihr?

Bild als satirisches Werk nach § 24 UrhG (freie Benutzung) erstellt. Weiterverbreitung ohne weitere Bedingungen meinerseits erwünscht

Rauchen
Tabakprodukte und andere süchtigmachende und schädliche (Rausch)mittel wie Alkohol sind für mich Dinge, die gar nicht mehr beworben werden sollten. Ich kann nicht verstehen, dass man Fernsehwerbung für Zigaretten verbietet, aber solche dümmlichen Aktionen weiter exisiteren dürfen. Was meint ihr?