Content-Klau mal anders. Foto: Dierk Schaefer / Flickr.com / CC-BY 2.0 Lizenz

Der Untertitel dieses Blogeintrages könnte auch lauten: „Leistungsschutzrecht-Wasser predigen und Contentdiebstahl-Wein saufen“. Schon lange ist es mir ein Dorn im Auge, dass manche Zeitungs-/Zeitschriften-Verlage einerseits darauf hinarbeiten, mit dem sogenannten „Leistungsschutzrecht“ ihre nicht mehr funktionierenden Geschäftsmodelle zu retten und andererseits sich beim Content von Internetnutzern frei bedienen.

Was ist Leistungsschutzrecht?

Kurz gesagt: Weil das Publizieren im Internet nicht mehr so funktioniert (und Geld bringt) wie die Zeitung früher, soll Google (als Ursache alles Bösen) dafür Geld zahlen, die Benutzer auf die Zeitungsseiten zu führen. Das ist, als ob der Wirt vom Taxifahrer Geld verlangt, weil dieser den Gästen die Gaststätte empfohlen hat und sie hinfährt. Die möchten die Köpfe hinter dem Leistungsschutzrecht gesetzlich verankern.

Klar, jeder Webseitenbetreiber kann natürlich den Google-Bot aussperren und daran hindern, die Zeitungsmeldungen zu scannen und zu indexieren. Aber dann fliegt man natürlich auch von den Suchmaschinenergebnissen runter.

Es wird sich bedient

Was mich – über Leistungsschutzrecht hinaus – wahnsinnig auf die Palme bringt: Die Verlage versuchen einerseits ihren Content zu schützen, entweder mit Leistungsschutzrecht oder mit Abmahnwellen gegen Webseitenbetreiber, die Zeitungsschnipsel kopieren, und andererseits bedienen sie sich oftmals frei bei dem Content, den das Internet produziert. Immer dann, wenn gerade etwas besonders virales durchs Netz geht.

Aktueller Fall: Der Papst und die Tatsache, dass sein Rücktritt eine Flut von Witzen und lustigen Bildern ausgelöst hat. Nun könnte das Magazin STERN hingehen, den Urheber um Erlaubnis fragen, ihm ein Honorar zahlen und die Bilder dann auf der eigenen Webseite nutzen. Aber was man stattdessen vorfindet, spricht eher dafür, dass man sich das Bild einfach so genommen hat. Würde mich interessieren, wer hier ein Honorar erhalten hat (vielleicht erkennt der eine oder andere seine Arbeit wieder?). Der Urheberhinweis „© Screenshot Twitter“ spricht für mich jedenfalls nicht dafür, dass da niemand gefragt wurde.

Videos von YouTube downloaden

Neben dem Bilder-Content aus dem Netz betreiben Magazine wie STERN und BILD richtig großen Aufwand: Virale Videos auf Youtube werden – so kommt es mir vor – nicht oder nur selten per Einbettungsfunktion der Anbieter in die Seiten integriert. Wenn man die nutzt, könnte der Urheber die Werbeklicks erhalten. Aber viel öfter sehe ich, dass diese Videos ins eigene Datenformat, den eigenen Player auf der Webseite integriert werden. Obwohl das ganz klar z.B. gegen die YouTube Richtlinien* verstößt. Und auch hier findet man meist nur den Urheberhinweis: „Quelle: Youtube“. Anstatt das Video per YouTube einzubetten und Quelle: Hans Hermann Müller anzugeben. Es wäre so einfach. Beispiele gibt es z.B. hier oder hier. Einzig positiv will mir hier nur Spiegel Online auffallen.

*Sie erklären sich damit einverstanden, Zugriff auf Nutzervideos nur in der Form des Streamings und zu keinen anderen Zwecken als der rein persönlichen, nicht-kommerziellen Nutzung, und nur in dem Rahmen zu nehmen, der durch die normale Funktionalität der Dienste vorgegeben und erlaubt ist. „Streaming“ bezeichnet eine gleichzeitige digitale Übertragung des Materials über das Internet (…) nicht aber für einen (permanenten oder vorübergehenden) Download, ein Kopieren, ein Speichern oder einen Weitervertrieb durch den Nutzer.

(Ausschnitt aus den YouTube Nutzungsbedingungen)

Man kann ihnen immerhin zugutehalten, dass die Videos mit ein paar Kommentaren aus dem Off hinterlegt ist, um den Schein des Journalismus zu wahren. Obwohl da so viel neues nicht erzählt wird.

Mein Fazit:

Es wäre doch mal eine super Sache, wenn die Verlage mit gutem Beispiel voran gehen und den Content anderer Menschen mit dem Respekt begegnen, den sie für den eigenen Content einfordern. Oder was meint ihr?

Andreas Poschen

ist ein 34jähriger E-Commerce Experte, agile Product Owner und UX-Fan aus Aachen. Er arbeitet in Köln in einer großen Agentur und schreibt hier über seine Profession, seine Gedanken, Netzfundstücke und zu seinen Lieblingsserien. (mehr zu Andreas). Folgt ihm auf:


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2 Kommentare zu “„© Screenshot Twitter“

  1. kornfunk am

    Hey Andreas,

    sehr interessanter Beitrag, vielen Dank dafür!
    Leistungsschutzrecht ist ein wichtiges Thema womit sich jeder der in irgendeiner Form online unterwegs ist – egal ob jetzt als Mediengestalter oder Journalist – aktiv damit beschäftigen sollte.

    Das Thema findet meiner Meinung nach, leider noch immer viel zu wenig Beachtung!

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  2. //Das ist, als ob der Wirt vom Taxifahrer Geld verlangt, weil
    // dieser den Gästen die Gaststätte empfohlen hat und sie infährt.

    So sehr ich Dir auch insgesamt zustimme, hinkt Dein Beispiel leider etwas. Eigentlich müsste es lauten: Das ist, als ob der Wirt vom Taxifahrer Geld verlangt, weil dieser den Gästen die Gaststätte empfohlen hat, in der es Freibier gibt.

    Nicht wirlich hilfreich, mein Kommentar, aber das war das erste, was mir beim Lesen auffiel. 😉

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