Wird dieser Blogeintrag nun einer über den beiläufigen Alltagsrassismus oder über die Geilheit der Medien auf „Shitstorms„? Weder noch – eigentlich möchte ich für meine nicht-ortsansässigen Leser nur niederschreiben, was hier vor wenigen Tagen passiert ist:

„boah … Diese Afros haben so eine bescheuerte Art an sich …“

… so begann der Facebook-Eintrag einer Geschäftsfrau/Boutique-Besitzerin aus Aachen. Weiter hieß es: „kommen rein, wollen nur reduzierten Kram und dann ‚kannst du reservieren eine Woche?‘ … Hausverbot alle Bimbos„. Diesen Eintrag teilte sie nicht auf der Facebook-Präsenz ihrer Boutique, sondern auf ihrem Privatprofil. So dass es ihre mehr als 2000 Freunde sehen konnten und es sich viral herumsprach.

Was folgte, war das Übliche: Verständnis für die Dame von einigen, teilweise gepaart mit noch mehr Rassismus, aber zum Glück überwiegend Empörung. Ein Screenshot wurde von einer ortsansässigen Musikgruppe gepostet und damit nahm der Sturm (für kleinstädtische Verhältnisse) Fahrt auf.

Straftaten unter Klarnamen

Als hätten alle Empörten nicht soeben eine Lehrstunde darüber erhalten, was man auslösen kann, wenn man mit seinem Namen Rassismus, Beleidungen o.ä. herausposaunt, ließen Gegenbeleidigungen und Drohungen nicht lange auf sich warten.

Zu erwähnen ist, dass besagte Band zusammen mit den Screenshot auch die Adresse des Ladens veröffentlicht hat, für den Fall, dass jemand „der netten Dame seine Meinung sagen möchte“. Das fand ich mindestens genauso fragwürdig.

Geil! Ein Shitstorm

Als hätte ich zu diesem Zeitpunkt nicht schon genug fazialpalmiert, sprangen nun die Lokalmedien (Aachener Zeitung, Aachener Nachrichten) auf den Zug auf. Es wirkte beinahe so, als könnte man nun endlich auch mal über einen dieser „Shitstorms“ berichten, so wie die Großen!

Erst folgte ein Bericht, der ein wenig so klang, als würde sich die Frau abschotten, den Medien verweigern, dann folgte einige Tage später ein Bericht, wo sie Stellung nimmt… und als wäre das nicht genug, brachte die Lokalzeit vom WDR die ganze Geschichte (Juchu, ein sog. Shitstorm!) in den Abendnachrichten der Lokalzeit Aachen.

Der Bericht ist die nächsten Tage noch hier abzurufen. Interessant ist dabei, dass die Dame scheinbar keinerlei Schuld bei sich sieht, bzw. sich nicht direkt für den Rassismus entschuldig, sondern eher dafür es zu laut und zu direkt geäußert zu haben. Zitat: „Eines hat sie aus der Geschichte gelernt: Ich werde mich in Zukunft gewählter ausdrücken“ oder Zitat aus der Zeitung: „Sie habe allerdings nicht gedacht, dass „Bimbo“ so ein schlimmes Wort sei“. Entschuldigungen sind das nicht.

In den Kommentaren der Zeitung sieht man übrigens, dass sich sehr viele über diese verfrühte hexenjagdartige Berichterstattung ärgern, Zitat: „Was mir missfällt, ist die unreflektierte Art der Lokalredaktion mit dem Vorfall umzugehen.

Wie weit darf die Shitstormgeilheit gehen?

Es war natürlich absolut unter aller Sau, was sie gesagt hat, aber müssen auf diese Facebook-Äußerung Zeitungen und Fernsehsender aufspringen, so dass die Dame sich nun im Laden einschließen muss und bespuckte Scheiben das geringste sind, wovor sie Angst hat? Was meint ihr?

Privates Profil und Fanpage der Boutique sind mittlerweile übrigens verschwunden.

 

Andreas Poschen

ist ein 34jähriger E-Commerce Experte, agile Product Owner und UX-Fan aus Aachen. Er arbeitet in Köln in einer großen Agentur und schreibt hier über seine Profession, seine Gedanken, Netzfundstücke und zu seinen Lieblingsserien. (mehr zu Andreas). Folgt ihm auf:


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4 Kommentare zu “»Hausverbot (für) alle Bimbos«

  1. Das zeigt mal wieder deutlich, welche Gefahren Web 2.0 und vorallem Social Networks mit sich bringen. Sehr viele Unternehmen und vorallem KMU’s unterschätzen die Wirkungen wenn so ein Shitstorm losgetreten wurde. Dieser Fall zeig gut, dass man als Unternehmer auch auf seiner privaten Seite vorsichtig sein sollte und sich genau überlegen sollte, welches Statement man postet oder welcher Gruppe man beitreten möchte. Ist ein Shitstorm im Anmarsch, lässt sich in so schwerwiegenden Fällen in der Regel auch nichts mehr richten.

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  2. Andreas Poschen am

    Nun gut, die Bekanntheit hat sie ja selbst unterstützt, indem Sie sich im zweiten Zeitungsartikel positioniert und ablichten hat lassen.

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  3. Ein Shitstorm ists nur dann, sobald die großen darüber berichten 😉

    Das Problem was ich einfach damit habe: Ich google nach einem bestimmten String in der Aussage und finde direkt Klarname der Dame, Name des Geschäfts etc.
    Meiner Ansicht nach ein Aufruf nach Bloßstellung und aufhitzen der Menge durch Veröffentlichung von Klarnamen.

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