Deutschland ist für seine Abmahnggesetzgebung und die daraus resultierende CashCow schon legendär, aber was da jetzt als Abmahnung in die Welt hinausgegangen ist, ist kaum noch zu toppen.

Ihr kennt das vielleicht, wenn ihr in einem großen Firmennetzwerk seid und aufs Internet zugreifen wollt. Manche Seiten sind gesperrt und leiten womöglich aufs Intranet um, oder zeigen einen Hinweis, dass der Aufruf nicht gestattet ist.

Jetzt hat irgendein schlauer Admin der Firma „KOMSA“ das Netzwerk  vermutlich so konfiguriert, dass Werbebanner nicht angezeigt werden (Adblocker), sondern stattdessen das Firmenlogo. Also der Aufruf einer mit Werbung bestückten Webseite aus deren Netzwerk hatte zur Folge, dass die KOMSA-Benutzer ihr Logo massenhaft auf anderen Webseiten sahen. Aber das kam eben nicht von den Webseiten, sondern aus dem hauseigenen Serverkeller. So weit, so normal.

Und der Knaller kommt jetzt: Die Rechtsabteilung (oder irgendwer, der es ihnen berichtet hat) hat das vermutlich nicht geschnallt und hat an Webseiten, die sie selber aufgerufen haben und das Logo (natürlich) gesehen haben, Abmahnungen verschickt. Mit Drohung von Vertragsstrafen über 25.000 Euro und einem Streitwert von 50.000 Euro. Der Grund:

“Es besteht neben der Gefahr der Verwässerung der Markenkennzeichnungskraft ein Verdacht auf Rufausbeutung.”

Ich liege unterm Tisch. Und ich bin sprachlos. Sind die da echt durchs Netz gesurft und haben auf jeder zweiten Seite deren Logo erkannt und ne Abmahnung rausgeschickt? Ist das nicht mal irgendwem aufgefallen?  Ich hoffe, die Resonanz in der Blogosphäre sorgt dafür, dass da mal jemand einen Computerführerschein gesponsort bekommt.

Nachzulesen gibts das ganze bei einem, den es getroffen hat, im Blog von Karsten Windfelder. Oder direkt bei Spiegel Online (!), das gibt peinliche PR.

Im letzten Wahlkampf konnte jeder, der ein wenig Ahnung von Technik hat, wunderbar miterleben, wie inkompetent, unerfahren und hilflos die meisten Politiker sind, wenn es um das Thema Internet geht. Aber Beispiele gibts nicht nur zu Wahlkampfzeiten, jeden Tag gibt es einen neuen Leckerbissen:

Heute ist es die Stadt Mannheim. Sie schickt ernsthaft einen Anwalt vor, der vom Besitzer des Twitteraccounts twitter.com/mannheim die Herausgabe eben jenes Accounts fordert. Namensrechte blahblahblah.

Was glaubt die Stadt eigentlich, wieviel Anrecht sie an einem Login-Namen oder einem Pfad (/mannheim/) auf dem Webserver einer Firma hat, die noch nichtmal in Deutschland sitzt? Was kommt als nächstes? Werden alle verklagt die “Mannheim” als Teil ihrer Mailadresse haben? Oder die, die ihre Fotos auf dem Webserver nach /fotos/staedte/mannheim ordnen?

Television

Es ist schon aufregend, wie durch das Internet Jahrhunderte alte Medienstrukturen aufgebrochen werden. Den Massenmedien, die in letzter Zeit eigentlich nur Wiederkäuer von Regierungserklärungen geworden sind, stehen Millionen von Blogs gegenüber, die im Einzelnen zwar subjektive Meinungen bringen, aber in der Masse der Meinungsbildung dienen, weil man differenzieren kann und jede Seite anhört. Hat schon einigen Hass von Journalisten gebracht, vermutlich weil sie ihre Felle wegschwimmen sehen.

Und auch Magazine bekommen erheblich Konkurrenz von Onlinependants, die schneller, flexibler und meist billiger sind. Dementsprechend brechen bei allen Printprodukten die Auflagen ein.

Da hilft eigentlich kein Jammern oder Wehren. Die starren deutschen Verlage sollten sich mit der neuen Welt arrangieren und neue Produkte anbieten, anstatt zu jammern.

TV im Web

Aber die Intention meines Beitrages ist eine andere. Und zwar diese: Während der Rest der Welt, insbesondere Amerika, die Zukunft des TV testen, wird eben diese durch eine Grundsatzentscheidung des obersten Gerichts in Deutschland unter Strafe gestellt. Es wurde jetzt der P2P Dienst „Cybersky TV“ verboten (und mit der Begründung wohl alle zukünftigen Entwicklungen), weil man damit auch geschütztes TV Material an andere Leute verteilen kann. Mit diesem Verbot ist zwar nun Premiere ganz toll geschützt, andererseits hat man somit auch der Grundlage für den Schritt des TV ins Web schwere Steine in den Weg gelegt.

Andererorts ist dies noch nicht verboten und mittels P2P-Fernseh-Programmen wie z.B. Joost werden Fernsehprogramme (auch legale die Extra für diesen Zweck ausgestrahlt werden) verteilt und in allen Enden der Welt gesehen. Der Schritt vom klassischen TV zum globalen Internetfernsehen. Die ist mit dem Verbot leider in Deutschland unmöglich geworden. Schade! Hoffen wir mal, dass die Sender das gesetzlich verordnete Stillsitzen nicht ebenso bereuen werden, wie ihre Printmagazinkollegen.

CNN goes Facebook

Ein nettes Detail am Rande der derzeitigen Präsidentenvereidigung in den USA:

cnnfacebookCNN triftt auf Facebooks Social Community. Ob Youtube, Joost, oder dieses hier. Amerika machts vor, Deutschland machts kaputt

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