Jetzt wo der Wahlkampf vorbei ist und der erste Versuch nicht geklappt hat, nämlich die Zensurinfrakstruktur mit viel Wahlkampfgetöse und KiPoSchreckgespenstern einzuführen, wird es lieber still und heimlich gemacht. Und… es funktioniert! Ging bei Zensursula noch eine Welle der Empörung durchs deutsche Netz, interessiert sich kaum jemand für die jüngsten Ideen.

Die Zensur wird jetzt (wie schon bei anderen Medien auch) durch den Jugendschutz (den JMStV – Jugendmedienschutz-Staatsvertrag) installiert. Und die Änderungen sollen wie folgt sein (ohne Scherz!):

  • Provider und Webseitenbetreiber haften gleichermaßen für Verstöße gegen den Jugendschutz
  • Provider müssen (!) ausländische Seiten blocken, die sich nicht um den deutschen Jugendschutz kümmern (was 99% aller Webseiten entsprechen dürfte)
  • Webseiten werden wie z.B. Videos in Altersklassen geteilt und
  • Die Verantwortlichen haben Sorge zu tragen, dass alle Seiten nur dem enstprechenden Alterstyp zugänglich ist. Und zwar mit zugelassenen Altersverifikationen (!) oder Öffnungszeiten für die Seite (!!!)

Öffnungszeiten im Internet. Hätte man mir das früher mal erzählt, dass sowas kommen soll, ich hätte auf Anhieb geraten, aus welchem Land solche Ideen kommen. Das Internet, wie wir es kennen, würde somit vollkommen unbrauchbar werden. Ausländische Seiten werden sich einen Dreck um die speziellen Regeln eines einzigen Landes kümmern und somit wären unsere Anbieter von Internetanschlüssen verpflichtet, sie zu sperren. Mehr darüber gibt es bei Peter Kröner, bei dem ich diesen Artikel gefunden habe oder beim AK Zensur. Interessant auch, dass schon Internetriesen wie 1&1 vorab schon große Bedenken äußern, sie betiteln es in ihrem Blog mit dem “Ende der freien Kommunikation im Internet“.

Was soll man tun? Ich traue keiner einzigen Partei zu, diesen Irrsinn in dem Gesetz zu erkennen.

das zeigt euch eindrucksvoll F!XMBR.de. Neben dem langsam langweilig werdenden dauernden Rezitieren eines Karikaturisten und dem ewigen FDP-,  CDU-, Christina Köhler-, oder Piratengebashe finden sich in deren Artikeln auch glatt ab und zu mal ein paar halbwegs lesenwerte Beiträge, so zum Beispiel zum Thema Freiheit im Netz oder Grundrechte.

Dumm nur, wenn man hin und wieder anderer Meinung ist. Auf deren Kommentarfunktion sollte man dann nämlich nicht setzen. Einerseits den großen Grundrechtsvertreter und Freiheitskämpfer raushängen lassen, andererseits die Kommentare vorher kontrollieren, aussieben und nur die positiven erscheinen lassen. Die kritischen, in denen man vielleicht Inkonsistenzen in den pseudojournalistisch angehauchten Texten aufzeigt, lässt man untern Tisch fallen. Armseelig.

Wie ich eben erfahren durfte, wurde die Internetpräsenz des Deutschen Kinderschutzbundes von einem Hacker mit einem meiner Bilder versehen (auch defacement genannt). Zunächst möchte ich sagen, dass

ich mich aufs äußerste von diesem Angriff distanziere.

Ich durfte da heute mittag anrufen und erstmal klarstellen, dass dieses schöne Bild mit meiner URL darin nicht von mir dort platziert wurde, schönen Dank auch. Ich bin Designer, kein Hacker.

Und ich sage mal voraus, dass dieser Hacker den Befürwortern der Internetsperren einen Bärendienst erwiesen hat. Zeigt er ihnen doch mit dieser unüberlegten Tat, was für scheinbare Gefahren im Netz lauern. Hoffen wir das das für die Netzgemeinde nicht zum Bumerang wird

schon lang nicht mehr gebloggt, war leider viel zu tun in letzter Zeit …

Aber die Zensurinfrastruktur, die im Moment aufgebaut wird, lässt mein Designerherz nicht ruhen und ich habe mal einen kleinen Vergleich zur Wirksamkeit von diesen Netzsperren gestaltet:

Zensursula

Die kurze Botschaft: Die Dinge auszusperren und mit einen Stopschild zu versehen, verhindert sie nicht und hält niemanden auf. Das man unrechtmäßige Angebote mit kurzer Mitteilung an Provider entfernt bekommt, ist Tatsache, jeder Provider hat eine “Abuse” Stelle, es scheitert leider hierzulande am langen Dienstweg des BKA. Somit kommt die Zensurinfrastruktur als blinder Aktionismus und Wahlkampfgetöse vielleicht beim gemeinen Bildzeitungsleser gut an, es bringt aber effektiv nichts, außer das andere Leute, die andere unliebsame Angebote sperren lassen möchten, schon Schlange stehen.

Aus Webdesignersicht kann man übrigens dazu übergehen, zurückzuzensieren. Ein WordPress-Plugin um alle Regierungs-IPs auszusperren gibt es hier. Los, verderbt ihnen den Spaß am Internet ;-)

Kleingedrucktes: Obige Bilder nach CC Lizenz verwendet. Autoren hier und hier zu finden

Nachtrag:
Meinetwegen dürft ihr das Bild verwenden wie ihr möchtet, ich stelle es zur freien Verfügung. Nur das verwendete Bildmaterial aus der Wikipedia solltet ihr zitieren. Oder reichts wenn ichs hier mache? Egal, machts wie ihr wollt, ein Link zu meinem Blog wäre nett ;-)

Nachtrag 2:

Seite von Kinderschutzbund durch Unbekannte mit einer meiner Grafiken gehackt

Wie ich vor kurzem erfahren durfte, wurde die Internetpräsenz des Deutschen Kinderschutzbundes von einem Hacker mit einem meiner Bilder versehen (auch defacement genannt).

Dazu möchte ich sagen, dass ich mit diesem Angriff nichts zu tun habe und ich mich aufs äußerste davon distanziere.

Für den Missbrauch meiner Bilder für so eine Aktion kann ich leider nichts. Ich durfte da heute mittag anrufen und erstmal klarstellen, dass dieses schöne Bild mit meiner URL darin nicht von mir dort platziert wurde, schönen Dank auch. Ich bin Designer, kein Hacker.

Top