Heute habe ich ein schwieriges Rätsel für euch. Speziell für Leute, die mit Schrift arbeiten. Bei diesem Rätsel treffen Typographie, Rechtschreibung und einige Besonderheiten aufeinander.

Welche der folgenden Schreibweisen ist die Richtige? Mehrere Antworten können richtig sein:

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Gebt das Rätsel ruhig weiter, z.B. an Azubis oder Kollegen. Mal sehen, wer die korrekte Antwort sagen und vor allem begründen kann!

Die Antwort:

Richtig sind zunächst einmal c) und d)

Eigentlich würde man denken Antwort a) oder b) wären richtig. Schließlich wird „Fass“ seit der neuen Rechtschreibung nicht mehr „Faß“ geschrieben. Nach einem kurzen Vokal, kann nur ein Doppel-S folgen (Fass, Fluss, Schuss).

Nun ist Litfaß aber ein Eigenname. Der von Ernst Litfaß, der die berühmte Säule erfunden hat. Laut den Rechtschreibregeln gibt es also hier eine Ausnahme: Eigennamen bleiben unverändert. Aus Litfaß wird nicht Litfass und aus Theodor Heuss wird nicht Theodor Heuß.

Somit wird die nach ihm benannte Säule auch weiterhin mit scharfem S geschrieben. Antwort c) ist richtig.

Nun zur Typographie

Nun haben die unteren Antwortmöglichkeiten eine Besonderheit: Sie sind in Großbuchstaben, genauer in Kapitälchen, geschrieben. Laut den amtlichen Regeln gibt es in rein in Großbuchstaben geschriebenen Wörtern kein „ß“. Es muss in SS umgewandelt werden. Das heißt: Litfaßsäule und  LITFASSSÄULE sind richtig.

Wir sind noch nicht fertig

Ihr dachtet schon, das wars? Falsch! Es wird noch komplizierter! Es gibt dazu nämlich auch noch weitere Ausnahmefälle:

  • In den amtlichen Regeln heißt es: Wenn die Schriftart (bzw. die Schreibmaschine) kein „ß“ anbietet, ist es erlaubt, dieses durch „ss“ zu ersetzen. In diesem Fall wäre als Litfasssäule korrekt. Und nicht Litfassäule, denn laut der neuen Rechtschreibung dürfen auch 3 identische Konsonanten hintereinander geschrieben werden.
  • Die amtlichen Regeln erlauben ausnahmsweise die Verwendung eines „ß“ in Großbuchstaben, um Eindeutigkeit zu gewährleisten. Die Deutsche Post rät z.B. dazu, beim Ausfüllen von Formularen in Großbuchstaben das „ß“ beizubehalten. Sonst hat man später einen Fehler im Namen, wenn dieser Name wieder umgewandelt wird.
  • Und um die Verwirrung perfekt zu machen: Es heißt, es gibt kein scharfes-S als Großbuchstabe? Nicht ganz korrekt. Seit 2008 gibt es im Unicode-Zeichenstandard einen Platz für dieses Zeichen. In Deutschland wird seit Ende des 19. Jahrhunderts darüber diskutiert, jedoch ist ein großes „ß“ derzeit nicht Bestandteil der amtlichen Rechtschreibung (bis auf die vorhin genannte Ausnahme).

Ganz schön kompliziert, was?

Andreas Poschen

ist ein 34jähriger E-Commerce Experte, agile Product Owner und UX-Fan aus Aachen. Er arbeitet in Köln in einer großen Agentur und schreibt hier über seine Profession, seine Gedanken, Netzfundstücke und zu seinen Lieblingsserien. (mehr zu Andreas). Folgt ihm auf:


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Ein Kommentar zu “Typographie- und Rechtschreibungs-Rätsel für Mediengestalter

  1. Hallo Andreas, ein sehr interessanter Beitrag, mit dem man auf jeden Fall nicht rechnet. Sehr, sehr informativ und spannend zu lesen! Ich würde gerne mehr solcher Fakten lesen. Liebe Grüße aus Hannover von Michael Keulemann

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