Viel wurde schon gebloggt, über den langsamen Tod der Pressefreiheit, über Menschen wie Snowden oder Manning, die Kriegsverbrechen und andere Menschenrechtsverletzungen ans Tageslicht gebracht haben und dafür von vermeintlichen Demokratien gejagt werden und über die Totalüberwachung der menschlichen Kommunikation. Doch eines konnte ich bisher in keinem Blog lesen:

Bösewichte auf Knopfdruck

Alle fragen sich, warum die Bevölkerung so gleichgültig auf diese Vorfälle reagiert. In den 80er Jahren gab es noch wahre Volksaufstände gegen die Volkszählung.

Ich habe eine Theorie, warum:

Seit Jahren bereiten uns die TV-Sender darauf vor, die Totalüberwachung und maximale Datenerfassung als Segen zu sehen. Ich möchte nicht soweit gehen und das als konspirativen Plan darstellen, aber es ist schon auffällig. Vermutlich wurde normale Polizeiarbeit langweilig und ein bisschen „cyber“ gab neue Würze – und alle Sender haben mitgemacht. Und das die amerikanischen Militäreinrichtungen „wohlgesonnene“ Darstellung ihrer Tätigkeit mit Geld, Personal und Material kräftig unterstützt und maximalen Einfluss geltend macht ist kein Geheimnis und dürfte auch zum Erfolg beigetragen haben.

Ein paar Beispiele?

Allen voran steht natürlich CSI, die haben das Genre quasi erfunden und können in jeder Folge auf eine Unmenge an Datenbanken zugreifen, in Sekundenschnelle. Der Erfinder und Produzent Anthony E. Zuiker hat dafür im Jahre 2007 den Negativpreis „Big Brother Award“ erhalten. In der Begründung der Jury heißt es dazu: „Die CSI-Serien präsentieren Rasterfahndung, DNA-Analysen und die Aushebelung von Bürgerrechten unkritisch, verharmlosend und einseitig“.

Und seit 2007 ist vieles passiert: Ob nun die ganzen Geeks in den unzähligen CSI-Varianten, ob Abbey in „Navy:CIS“ (als Spin-Off von J.A.G. hoch in der Gunst vom amerikanischen Militär) in ihrem Gothic-Lolita-Kleidchen, ob Penelope Garcia in „Criminal Minds„, ob Grace van Pelt in „The Mentalist“ (die Liste könnte ewig so weiter gehen) – ein jedes gute Ermittlerteam hat auch eine Position für einen Geek, der mit dürftiger schauspielerischer Leistung auf der Tastatur rumklappert und auf einem der 8 Bildschirme (auf den anderen sieben gehen ständig Fenster auf und zu und es rattern Listen durch) in Sekundenschnelle sämtliche Datenbanken durchstöbert.

Die Botschaft ist klar

Am Ende stehen die Helden des Ermittlerteams, wieder haben sie einen Serienkillerkinderschändermassenmörderbombenleger zur Strecke gebracht und ohne die ganzen Überwachungskameras und ohne den Zugriff der freundlichen Ermittler auf sämtliche Datenbanken unseres Lebens, wäre das nicht möglich gewesen.

Alternativprogramm

Wer da immer noch denkt: „Ja, ist doch super, ich hab ja auch nichts zu verbergen“, der darf sich zunächst mal die Lebensgeschichte von Andrej Holm zusammengooglen und danach „Der Staatsfeind Nr. 1“ mit Will Smith reinziehen. Und wer noch sehen möchte, auf welche Staatsform Großbritannien und die USA zusteuern auch gerne noch „V – Wie Vendetta„.

httpv://www.youtube.com/watch?v=COjUIMNyPKQ

There is thing keeping everyone’s lungs and lips locked
It is called fear and it’s seeing a great renaissance

Mich beängstigt das, was gerade passiert. In einer Welt, in der ich mich bei jedem Satz den ich auf dem Computer tippe fragen muss: „Hmm soll ich das wirklich schreiben, wird das in Zukunft vielleicht mal gegen mich verwendet? Es ist ja schließlich für immer gespeichert“, möchte ich nicht leben. Ich hoffe die Enthüllungen von Edward Snowden bleiben nicht ohne folgen. Ich hoffe die Welt ist doch nicht gleichgültig.

PS: Kurzer Nachtrag, weil der Titel falsch verstanden werden könnte: Nein, ich möchte nicht Serien diskreditieren, weil sie aus Amerika kommen. Dort hat nur diese Art des Krimis nach den 11. September so richtig an Fahrt aufgenommen. Ich persönlich liebe amerikanische und britische Serien, wenn sie nicht gerade den Überwachungsstaat propagieren. Aber dazu in einem späteren Blogeintrag mehr 😉

 

Andreas Poschen

ist ein 34jähriger E-Commerce Experte, agile Product Owner und UX-Fan aus Aachen. Er arbeitet in Köln in einer großen Agentur und schreibt hier über seine Profession, seine Gedanken, Netzfundstücke und zu seinen Lieblingsserien. (mehr zu Andreas). Folgt ihm auf:


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4 Kommentare zu “PRISM, Tempora, XKeyScore

  1. Schattenfaehe am

    Ich persönlich frage mich, wie lange es dauert, bis der Überwachungsstaat mehr über uns wissen wird, als wir Menschen es selbst tun. Schließlich vergisst der Mensch, aber das Netzwerk vergisst nie – so zumindest die Darstellung und die uns umgebende(durchaus vorhandene) Angst.

    Für mich habe ich entschieden, dieses Ausmaß als „nicht greifbar“ anzusehen. Es entzieht sich nicht meinem Interesse, allerdings befasse ich mich auch nicht damit. Vielleicht wurde auch mir Gleichgültigkeit durch all die Serien antrainiert, die ich persönlich auch sehr gerne sehe. Vielleicht ist es aber auch eine Gesellschaft in der wir heute leben, die ihren Daten keinen Wert zuordnet.

    Genau überlegt gebe ich schließlich überall bereitwillig preis wie alt ich bin, wie ich heiße, wo ich eventuell einmal gewohnt habe. Natürlich ist der Wahrheitsgehalt hier strittig, jedoch ist das Internet als solches ein Netzwerk, in dem man sich sicher vorkommen kann. Schließlich gibt man seine Worte in ein Gerät ein, sieht keinen Menschen vor sich, mit dem man kommunizieren und interagieren muss und ist sich teilweise auch bewusst, dass man die Menschen mit denen man hier gewollt oder ungewollt Bekanntschaft macht, eher nicht so schnell treffen wird.

    Kinder wachsen damit auf, das Technik cool ist. Auch wir Kinder zwischen 1990 und 2000 wuchsen damit auf und waren wahrscheinlich auch eine Generation, die sich als erstes auch in sehr jungen Jahren schon in das Internet gewagt hat. Allerdings zu der Zeit, zu der Webseiten schon gestalterische Formen annahmen. Communitys tauchten quasi aus dem Nichts auf und luden User dazu ein, ihre Daten preiszugeben. In Foren, in denen man gleichgesinnte traf, hat man dann schonmal Namen und Alter angegeben – nur um heute zu bemerken, dass darüber ein Mensch online einfach ausfindig gemacht werden kann. Es ist erschreckend mit welcher Leichtigkeit wir uns preisgeben, während wir in der Illusion von „der kann eh nichts damit anfangen“ oder „das ist ja nicht so wichtig“ leben.

    Persönliche Werte werden schließlich nich preis gegeben, doch aber alles was ein Mensch benötigt um sich eine Meinung zu bilden, oder einen direkten Kontakt herzustellen. Erst letztens kostete es mich keine 3 Minuten die Telefonnummer der Eltern einer Onlinebekannten ausfindig zu machen. Nun wusste ich, wo sie studiert und benötigte somit eine Nummer, die ich online nicht finden konnte. Doch die Generation vor uns wurde brav im Telefonbuch geführt. Meine „unwichtigen Informationen“ haben mir innerhalb eines sehr kurzen Telefonats die Nummer meiner Bekannten eingebracht.

    In diesem Fall ist es nicht schlimm gewesen, da wir uns tatsächlich auch schon persönlich und sehr lange kennen. Doch gehen wir mal von dem Punkt aus, dass ich keinerlei „Geekwissen“ habe, welches die Schauspieler einem in solchen Serien durch Hacking und Co. vorgaukeln. Ich habe nur leienhaft einen Namen bei Google eingetippt.

    Und in diesem Moment wird es gruselig, ja es kann einem sogar wirklich Angst machen. Denn diese Überwachung von der nun alle reden, als sei es ein Ammenmärchen, ist und war bereits in gewissen Maßen real. Real und vorallem: Normal.

    Nun ist mir beispielsweise bekannt, wie ich gefunden werden kann. Wird mein Nickname gegooglet, erhält man Bilder. Via Facebook auch einen Namen, mit dem man weiterarbeiten kann. Paranoid könnte man nun behaupten, ich müsste aufpassen, was ich sage, damit die NSA nicht dahinter kommt. Oder mir damit drohen, Personaler würden jene Suchanfragen missdeuten und dies könne meinen Bewerbungsablauf erschweren. Ich jedoch behaupte wie so viele, es sei mir egal.

    In Wahrheit bin ich jedoch nur abgestupft. Ich messe diesen Worten, diesen Daten einen Wert bei, habe jedoch nicht die Muße zur Angst und Erkenntnis. Stattdessen sehe ich den Namen als Künstlernamen, erfreue mich daran gefunden zu werden und denke mir: „So viel Du auch erfahren kannst, kennenlernen musst Du mich dennoch.“ Denn in dieser Familie des Netzwerkes „Internet“ sind wir uns dennoch unglaublich fremd.

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  2. Kornfunk am

    Von der Perspektive, dass die Medien Cyberüberwachung stark fördern und untersützen habe ich es noch gar nicht gesehen. Interessanter Ansatzpunkt, vielen dank für diese Anregung!

    Ich Frage mich, wie weit das Ausmaß dieser Datenspionage wirklich geht. Werd sagt, dass sich das Ganze nur auf Privatpersonen begrenzt zum bekämpfen von Verbrechen.. Was ist mit all den Betriebsgeheimnisse, internen Unternehmensprozessen, Forschungs- und Entwicklungeinheiten, Patentämter etc.? Okok, vielleicht geht das jetzt doch schon zu weit Richtung Verschwörungstheorie.

    Das Prinzip von „Staatsfeind Nr.1“ ist heute wohl einfacher den je. Es bleibt spannend, wo uns diese ganze Geschichte noch hinführt..

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  3. Dieses „Argument“ wenn man es denn so nennen darf mit „Ich hab nichts zu verbergen“ geht mir langsam auf die Nerven, so oft höre ich das noch 🙂

    Eher müssten diese Leute sagen: „Ich hab keine Ahnung und mich interessiert es nicht, was ich mache interessiert auch keinen (außer Leuten die mir was verkaufen wollen)“

    Heikler ist das ganze wenn man z.B. Journalist ist welcher wirklich recherchiert oder ein oppositioneller Politiker.

    Na ja..Orwell wurde ja schon übertroffen.

    P.S. Den Film „Network“ kann ich empfehlen 🙂

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