Anglizismen – einfach mal positiv sehen

Ich lebe in einer zwiespältigen Welt. Einerseits achte ich als Printmediengestalter (wenn’s drauf ankommt 😉 ) auf korrektes Deutsch, versuche Anglizismen zu vermeiden und meine in die Gene programmierte Eifelgrammatik abzulegen. Andererseits bekomme ich als Nonprintmediengestalter die geballte Ladung Buzzwords des Web2.0 ab (Schlagwörter der zweiten Version des Weltnetzes).

Und irgendwie scheint es in letzter Zeit in Mode gekommen zu sein, sich dadurch abzuheben, dass man keine Anglizismen mehr braucht, angestoßen von Experten wie Bastian Sick oder dem anderen Heini, der versucht Airbags durch Prallkissen zu ersetzen.

Dabei ist mir aufgefallen: Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass wir die Web2.0-Wörter aus dem englischen übernommen haben. Wenn ein Amerikaner einem anderen eine Mail schickt, ist es dann ein Brief oder eine E-Mail gewesen? Bei uns ist ‘ne Mail ‘ne Mail. Oder wenn bei einem Amerikaner was auf dem Desktop liegt. Ist es dann der Schreibtisch? In Deutschland ist natürlich die Computerdesktop gemeint.

Also. Versucht euch nicht mit eurer anglizismenfreien Nase zu weit über die anderen zu erheben, manchmal können die Dinger auch ganz nützlich sein. Solange mans nicht übertreibt. Ein gesundes Mittelding ist immer der beste Weg.

Und an die hoffnungslosen Fälle die ihre Sprache schützen wollen: Vergesst es, in Zeiten der offenen Grenzen, schnellen Verbindungen und Globalisierung wird das Essentiellste der Menschen, die Sprache, wohl am allerschnellsten wieder vermischt.

Und wer hier nach Fehlern sucht wird gestiefelt 😀

1 Kommentar

Was ich gegoogelt habe: Anglizismen – positiv!
Was ich hier bekommen habe: Eine Antwort, die mich fröhlich stimmt.
Mich regt es seit jeher auf, dass die Deutschen sich immer wieder über den Zerfall der deutschen Sprache auslassen.
Sprache ist etwas bewegliches und niemals determiniert, sie wächst stetig und ständig und meiner Meinung nach soll das auch gerne mal passieren! Ich studiere zur Zeit in London und baue immer mal wieder gerne englische Begriffe in meine Gespräche mit deutschen Heimatfreunden ein.
Nicht um mich übermäßig cool zu fühlen, sondern lediglich, weil ich es amüsant finde zu sagen: ” Ey, gib mal den stuff da rüber!”

Warum denn auch eigentlich nicht? Wir sind Menschen und wir sind frei und sollen doch bitte selber entscheiden, wann uns etwas berührt und wenn es das nicht tut.
Wenn ich also englisch spreche, heißt es doch nicht, dass ich mich nicht an einem Buch von Hesse oder Kafka im allerschönsten Deutsch erfreuen kann!
Also denke ich auch, dass etwas mehr Mut zum Fließen und zur Beweglichkeit gar nicht so weh tut.

So dann,
ciao,
adios
and bye bye,

Laura

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